Therapieblock – 2. Woche

Jetzt haben wir schon die zweite Woche Therapieblock hinter uns, und es war wieder ziemlich bewegt.

Unser Tag beginnt

So langsam kommen wir in den Tagesablauf rein, und der ist eigentlich jeden Tag ähnlich: gegen halb 8 bringen die Schwestern die Medis und das Frühstück. Sobald ich wach bin, gibt Mama mir mit der Spritze durch den Schlauch erst mal ein bisschen Saft mit warmem Wasser verdünnt und meine Medikamente und setzt mich in meinen Therapiestuhl, denn morgens muss ich erst mal den ganzen Schleim von der Nacht loswerden, und den kann ich am besten abhusten, wenn ich sitze.

Dann bastelt Mama mir mein Frühstück, das heißt, sie schmeißt Cornflakes, fast ein ganzes Roggenbrötchen, etwas Obst, Butter und Honig, Marmelade oder neuerdings Nuss-Nougat-Creme und Flüssigkeit in den Mixbecher, und dann wird es erst mal laut.

Am Montag hat die Oberärztin der Mama mal wieder gesagt, dass ich zu wenig wiege und unbedingt zunehmen muss. Als wenn Mama das nicht längst wüsste und alles versucht, damit ich was auf die Rippen kriege. Man müsste meinen, dass das nicht sooo das Problem ist, einfach mal hier und da einen Pudding oder einen pürierten Kuchen sondiert und gut ist, aber leider vertrage ich solche Kalorienbomben überhaupt nicht, und gegen Eier bin ich sowieso allergisch. Milchprodukte fallen auch fast komplett weg, weil ich davon immer sehr schleimen und spucken muss. Mama muss deswegen immer ganz vorsichtig probieren, was ich vertrage und was drin bleibt. Ich bekomme vier Mahlzeiten am Tag, bestimmt mehr als andere Vierjährige, aber weil ich immer in Bewegung bin und meine Muskeln manchmal sehr stark anspanne, verbrauche ich die ganzen Kalorien auch wieder sofort.

Morgens dauert es ungefähr eine Stunde, bis ich mein ganzes Frühstück intus habe. Da ist es gut, wenn die erste Therapie erst um 10 Uhr anfängt. Meistens habe ich 2 oder 3 Therapien am Tag: Physio, Ergo und Logo. Außerdem darf ich dreimal die Woche ins Regenbogenzimmer zum Spielen oder chillen gehen. Darauf freue ich mich immer ganz besonders.

Am Dienstag durfte ich kurz nach dem Aufwachen schon wieder schlafen. Da hatte ich nämlich EEG. Diesmal haben sie es gar nicht erst versucht, mir die Mütze mit den vielen Kabeln draufzubasteln, wenn ich wach bin, sondern mir einen Saft gegeben, mit dem ich richtig tief schlafe. Erst war es ein bisschen wenig, oder noch zu früh, und ich bin wieder munter geworden, dann haben sie noch was nachgegeben, und dann habe ich bis mittags geratzt.

Rückwärts essen die drölfte

Mama muss bei den Mahlzeiten immer sehr aufpassen, sonst kommt ein Großteil zu Mund und Nase wieder raus, und das ist ganz doof. Deswegen war am Mittwoch der Kinderchirurg nochmal bei mir, der mich letztes Jahr schon untersucht hat. Eigentlich dürfte bei mir gar nicht so viel Nahrung wieder oben rauskommen, weil ich ja vor drei Jahren am Magen operiert wurde. Er möchte jetzt nochmal genauer schauen, was in meinem Magen los ist, mit einem langen Schlauch und einer kleinen Kamera. Dazu müssen wir aber nächste Woche in sein Krankenhaus nach Traunstein.

Neue Mitbewohner

Am Donnerstag hatten wir einen Wechsel: Unsere Zimmergenossen sind ausgezogen. Also ganz ehrlich: die waren sehr anstrengend, nicht nur weil das Kind bei jeder Gelegenheit laut gekrischen hat, auch spätabends oder nachts… Also haben die morgens erst mal alle ihre Sachen eingepackt, das fand ich schon spannend. Und erst recht, als dann ein Reinigungsteam kam und die andere Hälfte unseres Zimmers gründlich saubergemacht hat. Und dann kamen auch schon die Neuen. Ein sechsjähriges Mädchen, das frisch an der Hüfte operiert wurde und nur liegen darf. Am Anfang hatte sie noch Schmerzen und hat manchmal ein bisschen gejammert, aber inzwischen geht es ihr besser.

Am Freitag hat Mama sich total gefreut. Da ist nämlich immer Malen für Eltern, und sie hat schon überlegt, was sie heute malen will. Aber dann hing ein Zettel da, dass das Malen heute leider ausfällt. Da war Mama ein bisschen traurig. Aber dafür hatte sie Zeit, um viele neue Sachen in meinen Computer einzuprogrammieren. Da haben wir hier nämlich wieder viele gute Tipps bekommen, damit ich noch mehr mit den Augen sagen kann.

Unsere Nachmittage

Nachmittags gehen wir meistens spazieren, wenn es nicht zu heiß ist, und ganz oft Kaffeetrinken, weil mir das Spaß macht und Mama sich freut, dass sie in Ruhe ihren Kuchen essen kann. Die Mama isst hier immer so viel Kuchen wie sonst im ganzen Jahr nicht, weil er sooo gut schmeckt, und weil man sonst hier nicht viel machen kann. Und das Krankenhausessen, na ja… das ist halt Krankenhausessen.

Am Freitag waren wir mal wieder in Wasserburg, unserer Lieblingsstadt hier in der Gegend, und am Samstag in Rosenheim. Das Beste war: da gibt es jetzt ein Karussell! Ich bin schon eeeewig nicht mehr Karussell gefahren, und das hat so einen Spaß gemacht! Wir sind sechsmal gefahren. Der Mama war hinterher ein bisschen schlecht, sie muss mich nämlich immer festhalten, wenn ich auf einem Tier reite oder sich mit mir in die große Tasse setzen, die sich auch nochmal dreht.

Trampolin aktiviert

Aber das aller-ALLER-beste kam am Sonntag: da waren wir im Märchen-Erlebnispark Marquartstein, wo wir uns eigentlich immer nur auf dem Abenteuerspielplatz aufhalten, der schön schattig ist. Da gibt es viele Trampoline und auch ein großes Luftkissentrampolin, von dem man sich prima runterrollen lassen kann. 

Außerdem gibt es ein Pferderennen, wo man auf einem Pony sitzt und hin und her wackeln muss, damit das Pferd oben auf der Rennbahn so schnell wie möglich läuft. Mama hat mir ein bisschen beim Wackeln geholfen, aber es hat einen Riesenspaß gemacht.

Beste Baustelle ever

Meinen Nachmittagssnack habe ich auf der großen Baustelle bekommen. Mama hat mich auf meiner Decke in die riesige Sandkiste gelegt, wo die anderen Kinder auf Baggern sitzen und baggern können, mit Holzsteinen bauen, Rohrleitungen verlegen. Da gibt es jede Menge zu schauen und ich habe mit den Händen und Füßen kräftig im Sand rum gewühlt. Ein Junge kam zu mir und hat mit einem kleinen Rechen schön um mich herumgejätet. Ein anderer sollte mir Hallo sagen, hat mir aber lieber eine Handvoll nassen Sand ins Gesicht geschmissen. War aber nicht so schlimm, diesmal hab ich nichts ins Auge bekommen.

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