Schlauch im Bauch
Ich habe einen Stöpsel im Bauch, wie bei einer Luftmatratze

Schlauch im Bauch

Wie kann es passieren, dass jemand nicht schlucken kann?

Als ich noch bei meiner Mama im Bauch war, ist irgendwas schiefgelaufen und mein Gehirn hat zu wenig Sauerstoff bekommen. Fragt mich jetzt nicht, was da genau passiert ist und wann. Ich war zwar dabei, aber ich kann mich leider nicht mehr erinnern. Und selbst die Ärzte können es nicht genau sagen.

Nun ist  Sauerstoff aber enorm wichtig, deswegen müssen wir alle atmen – das kann sogar ich – denn in der Luft ist Sauerstoff drin. Wenn man noch im Bauch von seiner Mama ist, kann man natürlich noch nicht atmen, da bekommt man den Sauerstoff über eine Leitung, die Nabelschnur heißt. Wenn die irgendwie eingeklemmt wird, ist es so, als würde man ganz lang keine Luft kriegen, und dann kann im Gehirn was kaputt gehen. Bei mir war das im Stammhirn. Das Stammhirn ist aber sozusagen die Steuerzentrale. Das heißt, da werden alle Bewegungen gesteuert, die man macht, und Sachen, die EIGENTLICH jeder von ganz allein kann, wie atmen, schlucken oder husten. Was man dann nach einem solchen Gehirnschaden noch kann und was nicht, ist so ziemlich Zufall. Es kommt ganz darauf an, welche Teile vom Gehirn genau kaputt gegangen sind.

Dass mein Gehirn kaputt ist, heißt aber noch lange nicht, dass ich doof bin oder so! Ich würde sagen, ich bin so ziemlich normal schlau für mein Alter. Leider kann ich es nicht so gut zeigen, weil ich nicht sprechen kann und meine Hände mir meistens nicht gehorchen.

Wie isst man, wenn man nicht schlucken kann??

Als ich noch ein ganz winziges Baby war, hatte ich einen Schlauch in der Nase, der durch meine Speiseröhre direkt in meinen Magen führte. Da haben die in dem Krankenhaus, in dem ich nach meiner Geburt zwei Monate lang liegen musste, dann die Milch von meiner Mama reinlaufen lassen. Weil ich nicht selber an ihrer Brust nuckeln konnte, musste sie die sich mit einer Pumpe abzapfen.

So ein Schlauch in Nase und Hals war ein ganz schön blödes Gefühl. Macht das lieber nicht nach! Und weil sich das so blöd angefühlt hat, habe ich mir den Schlauch manchmal rausgezogen. Leider haben die Krankenschwestern und später zu Hause meine Eltern mir den Schlauch aber immer wieder reingesteckt. Klar, sonst wäre ich ja verhungert.

Als dann langsam klar war, dass ich nicht so bald selbst essen und trinken werde, haben die Ärzte mir ein kleines Loch in den Bauch gemacht. Es sieht ein bisschen aus wie ein zweiter Bauchnabel, nur dass durch den quasi ein Tunnel direkt in meinen Magen führt. Das tat aber nur am Anfang ein bisschen weh. Jetzt ist längst alles verheilt. Durch den Tunnel haben sie dann den Schlauch gesteckt, der übrigens „Sonde“ heißt und immer an mir dranhing. 

Jetzt ist es nur noch ein Stöpsel, der ein bisschen aussieht wie bei einer Luftmatratze. Den Stöpsel nennt man „Button“, was Englisch ist und „Knopf“ bedeutet. An den kommt dann der Schlauch dran, wenn ich Essen bekomme, und danach kann man ihn wieder abmachen. Das sieht ein bisschen komisch aus, wenn man so was noch nie gesehen hat, ist aber nicht so doof wie der Schlauch in der Nase, und man sieht es eigentlich nur im Schwimmbad. 

Inzwischen muss durch den Schlauch natürlich nicht mehr nur Milch passen. Ich bin ja kein Baby mehr! Erst habe ich fertige Sondennahrung bekommen. Das war für meine Eltern ganz einfach: Flasche auf und gut – und dazu auch noch umsonst! Aber mal ehrlich: das war widerlich! Man schmeckt das Essen nämlich auch, wenn es in den Bauch gepumpt wird! Mir war oft schlecht und ich hatte Bauchweh, und von der vielen Milch, die da drin war, musste ich noch mehr schleimen als eh schon. Jetzt bekomme ich richtiges Essen, das Mama oder Papa kochen, aber es muss im Mixer ganz fein püriert werden und etwas flüssig sein, damit es durch den Schlauch geht. Seitdem geht es mir viel besser, ich habe zugenommen, wenn auch immer noch nicht wahnsinnig viel, bin nicht mehr so blass wie früher und habe viel mehr Haare auf dem Kopf! Und ich habe viel bessere Laune! Früher war ich nämlich ein echtes Brummkind.

Bei der Umstellung auf richtiges Essen hat meine Mama ganz viel Hilfe von der Yvonne bekommen. Die Yvonne hat auch einen Blog, und sie hilft immer gern: https://besonders-gesund.blogspot.com/

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